NTC

Die Kluft im Shadowfell

(Erzählt von Fargrimm mit Kommentaren von Rhogar)

Erathis hatte zu ihm gesprochen. Es war nur ein kurzer Moment, der Augenblick, als er in einem silbernen Wirbel wieder zu Sinnen kam, hilflos im Kreis wirbelnd mit seinen Gefährten Rhogar und Finnan. Doch es war geschehen, dessen war er sicher. Sie hatte ihnen Kraft gegeben, die nötige Kraft, um wieder aus dem Shadowfell zu entkommen.

Rhogar: So leicht wird uns das Shadowfell nicht ausspucken, aber wir drei werden zusammen mit der Macht der Götter uns schon einen Weg freischneiden. Ich mache mir jedoch große Sorgen um Maryonna und Barakon, die wir im Strudel verloren haben, ich hoffe sie hatten mehr Glück als wir.

Zuerst hatte er nicht viel Zeit gehabt, über das Ereigniss nachzudenken. Kurz nachdem er wieder zu sich gekommen war erklang die hohnvolle Stimme von Orkus, und eine Abscheulichkeit aus Leichenteilen manifestierte sich in der Mitte des Strudels. Das Wesen schien eine gewisse Kontrolle über den Wirbel zu haben - immer wieder stieß es einige von ihnen an den Rand des Strudels, wo sie unsanft in eine Wand aus Energie krachten. Die Klingen seiner beiden Mitstreiter schienen nur mit Schwierigkeiten durch die Rüstung des Wesens zu dringen, doch die heilige Kraft Erathis' schnitt hindurch wie durch Butter.

So dauerte es einige Zeit, bis sie das abscheuliche Konstrukt niedergerungen hatten - und damit war der Kampf noch nicht gewonnen. Aus den Einzelteilen ihres Gegners formten sich drei fledermausartige Geschöpfe, deren Körper sich stets leicht wandelten. Die Bestien schienen wie daheim im Strudel, und es erwies sich als äußerst schwierig, ihnen beizukommen. Doch am Ende erlagen auch diese widernatürlichen Wesen, und der Strudel begann, sich aufzulösen ...

Rhogar: Das war wahrlich ein widerspenstiger Kampf. Was nützt einem all das Training um Schlachtformationen wenn man herumgeschleudert wird wie ein Morgenstern. Immer wieder schaften wir es aber aber nahe genug zu kommen um unsere tödlichen Schnitte und Schläge anzubringen und schickten den Dämon wieder dorthin wo er hergekommen ist, zum Glück schnell genug denn lange hätte das mein Magen nicht mehr mitgemacht.

Das nächste, was er wahrnahm, war ein Raum voller Leichen - Kultisten, Gefangene in Käfigen, sogar ein junger schwarzer Drache. Alle schienen von einer gewaltigen Explosion getötet worden zu sein, die ihren Ausgang an einem Altar unter einem Torbogen hatte - ein Altar, auf dem sich Fargrim, Rhogar und Finnan befanden. Bevor sie die Leichen untersuchen konnten lösten sich diese jedoch in Luft auf. Verwirrt durchsuchten sie den Raum, konnten jedoch keine weiteren Hinweise finden, so dass sie sich durch den nördlichen der beiden Ausgänge aufmachten, einen Weg aus der Höhle hinauszufinden.

Rhogar: Der arme Drache...

Nach kurzer Strecke gelangten sie in eine Bibliothek, die von drei geisterhaften brennenden Totenköpfen erhellt wurde. Die Bücher waren in einer Mischung aus zwergischen, elfischen und menschlichen Schriften verfasst, die meisten davon in einem Fargrim unbekannten Dialekt. Als er eines zur näheren Inspektion aus dem Regal nehmen wollte, erwachten die Totenschädel zum Leben. Ein Regen aus Feuerbällen und Flammenlanzen ging auf die Gruppe nieder, und es kostete Fargrim alle Kraft, Finnan vor dem sicheren Tod zu retten. Dabei mußte er entsetzt feststellen, dass seine Kräfte nicht mehr so zuverlässig waren wie gewohnt - es schien, als wäre er von der Quelle seiner Kraft durch eine Barriere getrennt. Der entbrennende Kampf war jedoch schnell gewonnen, nachdem Finnan und Rhogar herausfanden, dass die Flammen ihrer Gegner nicht in die Nähe der Einrichtungsgegenstände vordringen konnten.

Eine nähere Untersuchung der Bücher ergab, dass sie sich in einer Art Tempel befanden, der hier im Shadowfell errichtet wurde. Regelmäßige Menschen-, Zwergen- und Elfenopfer wurden Orkus vom Kult erbracht, dessen Anführer ein junger schwarzer Drache sein sollte - wahrscheinlich das Opfer der Explosion, mit der sie hier angekommen waren. Nach kurzem Beratschlagen folgten sie einer Hängebrücke hinaus, entlang einer Schlucht. Der Himmel über ihnen war schwarz wie keine Nacht, die Fargrim bisher gesehen hatte. Jetzt bestand kein Zweifel mehr, dass sie nicht mehr auf ihrer Welt waren.

Rhogar: Ich hoffe die Götter weisen uns einen Weg aus dieser misslichen Welt. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber wenn ich sterben sollte dann möchte ich das es eine Schlacht ist an die man sich noch erinnert kann und nicht in einer Welt in der nur die Toten hausen.

Nach einer Weile kamen sie in eine weitere Kammer, die in die Felswand geschlagen war. Die Wand war mit Teppichen behangen, die alle Belagerungen durch Untotenhorden zeigten. Finnan überschlug im Kopf den Wert der Teppiche - und war offensichtlich mit dem Ergebnis zufrieden, denn er und Rhogar machten sich daran, die Teppiche zu entfernen. Kaum war der erste Teppich berührt, als plötzlich die Untoten auf den Bildern zum Leben erwachten. Hunderte, vielleicht sogar Tausende Skellette liefen dem Bild von innen entgegen, beunruhigend größer werdend. Nur die schnelle Reaktion und der Flammenodem Rhogars konnten verhindern, dass sie von einer Horde Untoter überwältigt wurden.

Rhogar: Hier hat uns nur unsere schnelle Reaktion gerettet ... schade nur das wir die Teppiche zerstören mussten, die hätten uns viel eingebracht.

Doch das war nicht Fargrims Hauptsorge. Er mußte feststellen, wie es ihm immer schwerer fiel, auf die Quelle seiner Kraft zuzugreifen und der Gruppe den Segen Erathis' teilwerden zu lassen. Nur ein paar Stunden noch, so schätzte er, bevor seine Kraft endgültig versiegte und er sich nur noch mit seinem Hammer würde erwehren können. Doch er war bereit, auch das zu tun. Erathis' hatte zu ihm gesprochen und ihnen die Kraft gegeben, sich zu befreien. Er würde eher einen qualvollen Tod sterben, als seine Gottheit zu enttäuschen.

Rhogar: Verzage nicht, solange du Erathis im Herzen trägst wirst er dich nicht im Stick lassen. Achja du hast übrigens vergessen von der Halle zu erzählen wo aufgebahrte Tote erschienen und wieder verschwunden sind, bis sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlten und uns attackierten. Mit ihreren Markerschütternden Schreien und der Fähigkeit sich unsichtbar zu machen setzten sie uns schwer zu. Zum Glück mussten sie immer wieder sichtbar werden ... lange genug um uns den Sieg zu ermöglichen.